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Telematik-Tarife werden beliebter - was hat es damit auf sich?

Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung erfreuen sich steigender Beliebtheit. Kritikern missfällt dabei, "beobachtet" zu werden, Befürworter loben die Fairness dieser Tarife.

 ©Goslar Institut

Die Corona-Pandemie hat sich als wichtiger Treiber der Digitalisierung erwiesen – in der Wirtschaft, im Arbeitsleben, in der Gesellschaft. Und in der Versicherungsbranche. Laut einer Umfrage der Kölner Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) sind Versicherte inzwischen eher bereit, sich mit digitalen Lösungen zu befassen, wie etwa der Telematik. „Das Fernziel des autonomen Fahrens rückt damit näher“, meint MSK-Geschäftsführer Onnen Siems. Intelligente Fahrzeuge, die weniger Unfälle verursachen, stellten die Versicherer vor eine grundlegende Herausforderung, sagt er.

Die Kfz-Versicherer hierzulande sehen das offenbar ähnlich. So wählten in der MSK-Umfrage unter Fach- und Führungskräften von 80 Kfz-Versicherungsunternehmen aus dem deutschsprachigen Raum Telematik und Autonomes Fahren mit jeweils 35 Prozent zu den wichtigsten Trends in der so genannten K-Versicherung. Danach folgten die Themenfelder Carsharing, Elektromobilität und Digitalisierung mit jeweils 20 Prozent. Dabei handelt es sich ebenfalls um Bereiche, die die Mobilität und das Verhältnis von Versicherten und Unternehmen betreffen.

Telematik-Tarife sind schon seit einiger Zeit im Markt präsent. Mittlerweile sollen Marktbeobachrungen zufolge über 500.000 entsprechende Policen abgeschlossen worden sein. Über 90 Prozent davon verteilen sich auf die beiden Marktführer HUK-Coburg und Allianz. Einen wesentlicher Anteil an der wachsenden Beliebtheit dieser Policen dürfte daher kommen, dass die Kunden diese Tarife als besonders fair wahrnehmen. Hier gilt schließlich das Prinzip „pay-as-you-drive“, das heißt wer besser und sicherer fährt, zahlt weniger – bei der HUK-Coburg zum Beispiel bis zu 30 Prozent gegenüber konventionellen Verträgen mit Schadenfreiheitsrabatt.

Von einem Smartphone oder einer Telematik-Einheit im Auto werden Fahrdaten gesammelt und in den meisten Fällen per App über das Mobilfunknetz an einen Dienstleister weitergeleitet. Dieser wertet die Daten aus und ermittelt in der Regel einen so genannten Score, also eine Wertung. Sie wird anschließend an den jeweiligen Versicherer übermittelt und dient dort als Grundlage für einen individuellen Rabatt in der Autoversicherung. Der Score gibt dabei Auskunft über den Fahrstil des jeweiligen Autofahrers.

Wer als sicher fahrend bewertet werden möchte, sollte insbesondere immer ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug halten, die Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten, vorausschauend fahren, um starkes Bremsen und häufiges Beschleunigen zu vermeiden, sowie bei längeren Strecken regelmäßig und ausreichend Pausen einlegen. Eine solche Fahrweise senke generell das Unfallrisiko, betonen die Versicherer. Sie sehen daher in den Telematik-Tarifen nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Reflexion des eigenen Fahrverhaltens sowie zur Optimierung des Fahrstils und infolge dessen zur Senkung des allgemeinen Unfallrisikos im Verkehr, sondern auch zu einer Steigerung der Versicherungsgerechtigkeit – weil jeder durch besseres Fahren Geld sparen kann.

Und das Risiko, bei einer schlechten Bewertung draufzahlen zu müssen, besteht auch nicht, wie die HUK-Coburg betont. Bei ihrem Telematik-Tarif habe der Autofahrer keine Nachteile zu befürchten, sondern bekomme die Chance, sich zu verbessern. Auch dies steigere die Verkehrssicherheit.

ampnet/jri