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Hoch auf dem grünen Wagen

Die meisten Oldtimer führen ein recht behütetes Dasein. Sie werden gehätschelt und gepflegt. Gärtnermeister Jörg Laufkötter hingegen fährt mit seiner 30 Jahre alten T2b-Pritsche noch täglich auf die Baustelle.

 ©H.Martinschledde

Die Zahl der Kilometer, die sie noch abspulen müssen, hält sich in Grenzen und sobald die Tage kürzer und die Temperaturen niedriger werden, geht es in den Winterschlaf. Es gibt aber auch Schätzchen, die auf ihren alten Tage noch richtig schuften müssen. Der laubgrüne VW T2b Pritschenwagen von Jörg Laufkötter ist so einer. 30 Jahre ist er alt und spielt noch tagtäglich den Lastenesel im Garten- und Landschaftsbaubetrieb des Güterslohers.

Gut, den Job hat der Dreisitzer noch nicht lange. Erst im März 2008 hat er einen Smart als Werbeträger der Firma ersetzt. "Der war zwar auch klein und schnuckelig, also ein richtiger Sympathieträger, aber irgendwie hat mir da immer der Bezug zum Gartenbau gefehlt", schildert Jörg Laufkötter, wie bei ihm die Idee, eine alte VW-Pritsche in den Fuhrpark aufzunehmen, Gestalt annahm. Dabei kam von Anfang an eigentlich nur der T2 in Frage.

"Der war zu meiner Lehrzeit das Baustellen-Fahrzeug schlechthin. Da kommen so einige Erinnerungen hoch", erzählt der 47-Jährige. Außerdem hat er früher mal einen T2-Camping-Bulli gehabt: "Aber nur kurz. Der war schon ziemlich marode und ich war jedes Mal heilfroh, wenn er überhaupt angesprungen ist."

 ©H.Martinschledde

Anfang Januar nahm das Projekt T2 dann erste Formen an. Nach intensiver Internetrecherche fuhr er mit seinem Sohn und einem Freund nach Nürtingen (bei Stuttgart) zu einem Händler, der sich auf die alten VW-Schätzchen spezialisiert hat. Dort stand das Objekt der Begierde. Ein Pritschenwagen aus dem Jahr 1978 mit gerade einmal 53.000 Kilometern auf der Uhr.

"Der ist vorher bei einem Maler in Wien gefahren und der hatte seine Kundschaft wohl nur ein paar Blocks weiter", schätzt Laufkötter, der sich sofort in den Wagen verliebt hatte. "Diese schöne, runde Front strahlt einfach irgendetwas Sympathisches aus. Der Nachfolger T3 ist dagegen ja nur kantig."

Allerdings war doch eine komplette, kostenträchtige Überholung fällig, zu der sich der Landschaftsgärtner nach reiflicher Überlegung entschloss. "Die habe ich dann gleich in Stuttgart machen lassen, weil der Wagen ja auch zuverlässig sein sollte, denn wir wollten ihn von Anfang an nicht nur als Werbeträger, sondern auch als Arbeitsfahrzeug nutzen", so Laufkötter.

 ©H.Martinschledde

Am 12. März 2008 war es dann so weit. Einem Tag vorm "’Gütersloher Frühling’ - einem Straßenfest rund um den Garten - plumpste er hier vom Tieflader", lacht der Landschaftsbauer.

Seitdem gehört das laubgrüne Gefährt zum Fuhrpark des Unternehmens und nicht nur der Chef hat seine helle Freude an dem T2, sondern auch die Mitarbeiter: "Die fahren den alle unwahrscheinlich gerne, weil da immer freundliche Gesichter vom Straßenrand gucken und das Fahrerlebnis doch etwas ganz anderes ist als bei einem aktuellen Transporter."

Die karge Innenausstattung mit den braunen Kunstledersitzen - eine Kopfstütze gibt es nur für den Fahrer - und das typische Geknatter des 50 PS-Boxermotors produzieren ein Flair, das ein moderner T4 oder T5 nicht bieten kann. "Der T2 fährt sich irgendwie aktiver. Bei 80 Sachen muss man aufhören, Gas zu geben, sonst wird es zu laut und bei kräftigem Wind muss das Lenkrad richtig festgekrallt werden, sonst fegt es einem von der Straße", berichtet Laufkötter aus Erfahrung.

Im Gegensatz zu den anderen Fahrzeugen der Firma wird der Oldie aber schon etwas geschont: "Auch wenn er eine unglaubliche Tonne zuladen darf - was ich nicht mal im Traum machen würde - kommen Lasten in den Hänger, um die Ladefläche nicht zu ruinieren."

Die karge Innenausstattung mit den braunen Kunstledersitzen - eine Kopfstütze gibt es nur für den Fahrer - und das typische Geknatter des 50 PS-Boxermotors produzieren ein Flair, das ein moderner T4 oder T5 nicht bieten kann. "Der T2 fährt sich irgendwie aktiver. Bei 80 Sachen muss man aufhören, Gas zu geben, sonst wird es zu laut und bei kräftigem Wind muss das Lenkrad richtig festgekrallt werden, sonst fegt es einem von der Straße", berichtet Laufkötter aus Erfahrung.

Im Gegensatz zu den anderen Fahrzeugen der Firma wird der Oldie aber schon etwas geschont: "Auch wenn er eine unglaubliche Tonne zuladen darf - was ich nicht mal im Traum machen würde - kommen Lasten in den Hänger, um die Ladefläche nicht zu ruinieren."

Eine etwas ernüchternde Erfahrung musste Laufkötter allerdings machen, als er den T2 beim "Gütersloher Frühling" an seinem Stand ausstellte: "Der kam zwar bei allen Leuten gut an, aber ein paar haben dann doch gefragt: 'Wo ist denn der Smart geblieben?'"

Dieser Artikel erschien zuerst am 6. Dezember 2008 in der Neuen Westfälischen Zeitung und wurde mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und des Autors Henrik Martinschledde hier veröffentlicht.

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Henrick Martinschledde