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Balkan-Reise im T3 Teil 4

Karl-Ewald Kirschner (Bj. 51) und Slobodan "Dane" Kapevski (Bj. 1957) unternahmen im Sommer 2008 eine ausgedehnte Balkanreise mit einem T3. Dane wollte seine alte Heimat Mazedonien wiedersehen und Karl-Ewald kam mit, weil ihn eine Reise in diese Region schon immer gereizt hatte. In diesem Teil des Berichts geht es an der Adria-Küste und auf kroatischen Inseln weiter.

 ©Karl-Ewald Kirschner

Dienstag, 12. August 2008

Slano, Kroatien. Ganz kleiner Fischerhafen mit Kneipe.

Wir campen mal wieder wild an der Kneipe.

Bulli direkt in den Klippen geparkt. Der Weg dorthin hatte 15 Prozent Gefälle! Ich weiß nicht, ob wir jemals da wieder raufkommen.

Schwimmen, Essen, Trinken, nette Nachbarn, abends Musik, kitschiger Sonnenuntergang.

Ich liebe es.

Dane im Bulli. ©Karl-Ewald Kirschner

Mittwoch, 13. August 2008

Wir fahren auf die Halbinsel Peljesac, die Muschelinsel.

Unser Plan ist die Insel zu durchqueren, um dann per Fähre weiter auf die nächste Insel zu kommen.

Auf der Insel rechts und links überall Muschelfarmen und überall Hinweisschilder auf Muschelverkauf.

Klar, dass wir hier in einem Muschelrestaurant einkehren.

15-Prozent-Steigung. ©Karl-Ewald Kirschner

Ich glaube, wir haben das beste und das teuerste erwischt. Kellner zu Dane: „Bitte mit T-Shirt!“

Muschelpastete als kostenlose Vorspeise, hervorragender Rotwein, super Muscheln in allen Formen und allen Farben, historisches Gemäuer, tolles Restaurant.

Der Rest des Tages war nicht so toll. Die Berge wurden immer höher und der Bulli immer schwächer. Wir beschließen zurückzufahren und den Landweg zu nehmen.

 ©Karl-Ewald Kirschner

Donnerstag, 14. August 2008

Wieder den Berg hoch, an der Stelle vorbei wo uns gestern die Karre verreckte. Heute geht’s.

Im ersten Fährhafen, ich wollte auf die Insel Korcula und danach nach Hvar. Ein bisschen Inselhopping. Leider ab hier nur in die andere Richtung (laut Dane). Auf zum nächsten Fährhafen.

Hier fahren zwei Fähren. Eine zur Insel Korcula, die andere nach Hvar. Nach Hvar in einer Stunde, nach Korcula in drei Stunden. Wir nehmen die erste Fähre und somit ist Dane mal wieder der Sieger. Auf der Insel Korcula kennt ihn niemand!

Mit der Fähre angekommen auf der Insel Hvar. 60 Minuten Fahrt.

Wir landen im Süden der Insel. Bis nach Jelsa sind es ca 60 Kilometer.

40 Grad Hitze, gefühlte 50 Grad. Extrem enge Serpentinen quer durch Land. Keine befestigte Straße, kein Straßenrand. Rechts 100 Meter Abgrund, links schroffe Felsen. Mehr als 50 Stundenkilometer sind nicht drin.

 ©Karl-Ewald Kirschner

Für mich war der Trip Horror. Bei jedem entgegenkommenden Lkw dachte ich, ich lande im Abgrund. Es waren Gott sei Dank nur circa 10 LKWs. Wir machen ein, zwei Stopps. Ein Landsmann sagt uns: „Fahrt vorsichtig, zu viele Unfälle mit Ausländern.“ Auch um den Bulli zu schonen noch ein Stopp.

In Jelsa Stadt angekommen parken wir in der Nähe des Hafens. Typischer Mittelmeerhafen, sehr touristisch. Dane und ich latschen durch die ganze Bucht. Ein Bootverleiher erkennt Dane wieder. Das übliche Hallo.

Weiter an markanten Punkten. Dane O-Ton: Hier habe das gemacht, hier das, hier hat der gewohnt, dort war früher eine Kneipe, hier bin ich ins Wasser gesprungen, dort habe ich Sylvia kennen gelernt.

Wir erreichen das Hotel wo früher Karamela gespielt hat. Ein Kellner erkennt Dane. Das übliche Hallo. Der Besitzer reklamiert, dass immer noch Klebereste von Danes Fenstermalereien vorhanden sind (nach 30 Jahren!). Zurück in den Hafen. Ich möchte gern auf einen Campingplatz, Dane in ein Appartement. Nema problema! Dane hat hier 1000 Freunde. Wir gehen in ein ziemlich gutes Restaurant.

 ©Karl-Ewald Kirschner

Erste Peinlichkeit: Dane bekommt vom Kellner ein T–Shirt verpasst, wegen seines nacktem Oberkörpers. Zweite Peinlichkeit: Dane schläft am Tisch ein (zuviel Pivo). Nach ca. 4 Minuten sage ich: Hallo Dane, du kannst hier nicht schlafen. Antwort: Ich werde wüst beschimpft. Wenn Dane seinen Gedanken und Träumen nachhängt, habe ich nicht das Recht ihn zu wecken, Entschuldigung, zu stören, außerdem hat er gar nicht geschlafen.

Das Essen, sehr lecker, trotzdem, ich muss kotzen.

Der Besitzer dieses Restaurants, der mit besten Tipps für unser Appartement, hat seit Jahren gewechselt.

Nächstes Restaurant. Dane wird ohne T-Shirt reingelassen. Wir bekommen zwei Espresso, dürfen dann aber auch hier ohne Appartement-Infos gehen. Ich will/kann nicht mehr Autofahren, Dane hat aber angeblich jede Menge Appartements an der anderen Seite der Bucht (20 Minuten Fahrt). Streit. Endergebnis, wir pennen an der Straße im Bus.

Bulli-Parkplatz am Meer. ©Karl-Ewald Kirschner

Freitag, 15. August 2008

Nachdem ich Dane gestern Nacht schwören musste, das wir uns trennen (endlich), ist er heute mal wieder (wg. morgens nüchtern ) zahm wie eine kleine Katze. Ich will ihn, wie versprochen in einem Hotel absetzten. Sein Wunsch! Aber jeder Versuch Danes, ein Zimmer zu bekommen, scheitert. Zu voll, zwei Tage unmöglich, etc. Komisch. Ich glaube ihm nicht. Plötzlich ist meine Variante die richtige: Campinglatz, „Danes beste Idee“. Wir fahren auf den Campingplatz. Nix dolles, aber direkt am Meer. Ich arrangiere mich mit dem Bulli, den Toiletten und den deutschen Nachbarn.

Dane wandert an der Küstenstraße entlang Richtung Hafen. Kommt nach 45 Minuten zurück mit der absolut besten Möglichkeit. Er hat ein Appartement gefunden, direkt dort, wo wir gestern auf der Straße übernachtet haben.

Großer Balkon. ©Karl-Ewald Kirschner

Ich packe alles, auf dem Campingplatz, auf die Schnelle, wieder zusammen, verabschiede mich knapp bei meinen Nachbarn. Fahre zum Appartement. Bulli Parkplatz direkt am Meer ist auch schon reserviert. Appartement auch nix besonderes, fünf Treppen hoch. sauber, aber riesiger Balkon mit Panoramablick übers Meer und die Altstadt. 45 Euro pro Nacht. 74 Stufen hoch über dem Hafen. Für hiesige Verhältnisse teuer. Egal, wir bleiben.

Ich sage Dane: „Bestimmt gibt es im Haus eine Waschmaschine, lass uns morgen die Wirtin fragen.“ Der Abend auf unserem Balkon ist einfach nur toll. Es wäre nicht unsere Reise, wenn nicht plötzlich jemand an der Tür klopft. Einmal, zweimal, dreimal. Ich habe ein ungutes Gefühl. Ich sage Dane, schau mal nach. Gesagt, getan, Dane öffnet die Tür. Davor steht unsere Nachbarfamilie vom Campingplatz.

Die Handtuch-bringenden Nachbarn. ©Karl-Ewald Kirschner

Ich hatte in der Hektik der Abfahrt am Campingplatz unsere Wäscheleine mit zwei Handtüchern vergessen! Die Nachbar-Familie, er aus Erlangen, sie aus Bosnien, zwei Kinder. Sie sahen unseren Bulli, fragen unten in der Kneipe, erfuhren wo wir wohnen und klopfen. Unglaublich. Händeschütteln, Umarmung, Dankeschön.

Später, Dane geht essen Kommt nach zwei Minuten zurück. Kringelt sich vor lachen (wie immer) und berichtet mir, zwei Treppen tiefer ist eine Frau, die unsere Wäsche waschen will. Dane lacht immer noch. Sehr witzig!

Marienprozession. ©Karl-Ewald Kirschner

Abends zurück in den Hafen. Total pittoresk, eine Marien-Prozession geht durch die Altstadt.

Vorbei an Pivo trinkenden Touristen. Zig Digitalkameras blitzen, eine Blaskapelle spielt die Musik dazu. Vorher fand ein Open-Air Gottesdienst statt. An einem Marktplatz wie eine Arena. Bestimmt 500 Besucher, sehr beeindruckend.

Ich bin müde und gehe früh schlafen. Plötzlich werde ich durch einen lauten Knall geweckt. Normalerweise hätte das auf unserer Reise nichts Gutes bedeutet, aber diesmal handelte es sich um ein grandioses Feuerwerk direkt unter unserem Balkon im Hafen von Jelsa. Zu Ehren und als Anlass des Marienfeiertages. Grandioser Anblick, tolle Fotos!

 ©Karl-Ewald Kirschner

Samstag, 16. August 2008

Wir ziehen durch die Altstadt von Jelsa. Ich recherchiere, wo ich Internetzugang bekomme. An einem Laden steht 24 Stunden Internet. Der Laden ist geschlossen.

Wir treffen Spiro, mit Frau. Das übliche Hallo! Für Dane ein irrer Zufall, da Spiro seit Jahren das erste Mal wieder in Jelsa zu Besuch ist. Sehr nettes Paar. Er früher Bassgitarrist, lange Jahre mit Tonka gespielt, wohnt heute mit seiner Familie in Neuseeland als Distributeur für Mitsubishi Klimaanlagen. Um 13 Uhr fahren wir mit dem Motorboot, das wir uns vorher reserviert haben (halber Tag, 45 Euro) zu einem Strand, auf der anderen Seite der Lagune.

Selbstverständlich haben hier Karamela und Spiro schon gespielt. Aber leider hat auch hier der Besitzer schon seit längeren gewechselt.

 ©Karl-Ewald Kirschner

Nach Tintenfischsalat, Meeresfrüchteirisotto, Wein, Wasser, Espresso weiter an einen Steinstrand.

Riesige Felsblöcke, warm und weich. Wir (ohne Dane) gehen schwimmen. Mit unserem kleinen Bötchen geht’s zurück in den Hafen von Jelsa. Spiro will uns unbedingt sein Haus zeigen. Mitten in der Altstadt, kurz hinter der Kirche ein kleines Häuschen, aber ein großer, mediterraner Garten.

Wunderschön, Küche im Freien, mit allen Früchten, und für mich interessant mit zig Kräutern. Unter anderem auch Pfefferminze und Kamille. Sofort wird mir eine Tüte mit sämtlichen Kräutern gepackt. Die Frau des Hauses fängt auch sofort an uns mit Käse. Prosciutto, Brot usw. zu verwöhnen. Die Oma kommt und bringt selbst eingelegte Sardellen. Extrem salzig, extrem lecker. Wir werden zu Morgen zum richtigen Essen eingeladen (ich hoffe inständig, dass mein Magen das mitmacht).

 ©Karl-Ewald Kirschner

Sonntag, 17. August 2008

Frühstücken, diesmal mit Tee (wegen des Magens) - frische, reife, saftige, grüne Limonen gibt es in Griffhöhe am Balkon kostenlos dazu.

Tagebuch schreiben, Fotos ausdrucken, auf dem Balkon relaxen. Es ist, Gott sei Dank, nicht mehr so heiß.

Wir sind um 18 Uhr bei Spiro zum Essen eingeladen. Sieben Uhr sind wir bei Spiro. Wir haben Fotos von gestern auf einem Memorystick für ihn.

 ©Karl-Ewald Kirschner

Als erstes gibt es Rotwein vom Nachbarn links. Der Nachbar rechts macht Weißwein. Tiefroter, sehr schwerer Wein, 15 Prozent Alkohol, aber lecker. Auf dem Herd simmert der Fisch leise vor sich hin. Das Rezept angeblich sehr einfach: Kleingehackte Zwiebeln und Knoblauch (Luc) mit etwas Olivenöl in einem großen Topf leicht anschmoren. Gemüse, Fisch, fünf verschiedene Sorten in ca. vier Zentimeter großen Stücken, und Wasser hinzugeben. Kurz aufkochen lassen. Zum würzen Salz, Pfeffer, Zucker, etwas Tomatenmark und ganz wichtig etwas Vegeta hinzufügen. Das ganze lange bei leichter Hitze weiterköcheln lassen.

Serviert wird der Fisch mit viel Jouce, Soße in Suppentellern. Gegessen wird mit Fingern und viel Brot. Wir genießen den Abend. Spiro mit Frau, sein Neffe, Oma, und später kommt noch ein Nachbar-Ehepaar. Palaver in Kroatisch, Mazedonisch, Englisch und ein bisschen Deutsch.

Als Überraschung für Dane kramen die Gastgeber ein Kinderportrait aus der Ecke, gemalt von Dane vor ca. 30 Jahren! Dane ist stolz wie Oskar. Das Gleiche ist uns in der Eisdiele passiert. Dort hängt seit über 30 Jahren ein Bild von Dane.

 ©Karl-Ewald Kirschner

Montag, 18. August 2008

Spiro will uns eine besonders schöne Bucht zeigen.

Wir fahren zu viert mit dem Bulli Richtung Westen. In der ersten Kurve ein Knall: den geklauten Plastiktisch vom Dach verloren. Ich hatte vergessen, dass ich letzte Nacht den Plastiktisch auf unserem Dach deponiert hatte. Armer Tisch.

Weiter, wir wollen auf die italienische Seite der Insel Hvar. Auf halber Strecke werden wir mitten in der Pampa von einer roten Ampel gestoppt. Wir stehen vor einem Tunnel.

Der Tunnel ist zwei Meter breit und zwei Meter hoch. Gerade genug für den Bulli. Die Funktion der Ampel erklärt sich von selbst.

 ©Karl-Ewald Kirschner

Der Tunnel, wie aus einem Dinosaurierfilm, völlig grob aus dem Fels gehauen. Nüchtern wäre ich da nie durchgekommen.

Auf der anderen Seite Mittelmeer. Wasser etwas kälter, aber auch etwas welliger. In der Bucht ein ziemlich exklusives Restaurant, ein paar Ferienhäuser. Ein Kosmetik- und Wellnesstudio, untergebracht in 3 großen, weißen Indianer-Tipis.

Wir essen, trinken, sonnen, baden, genießen den Tag. Zum Abschluss gibt Spiro noch ein kleines Folklorekonzert und alle singen mit, wirklich, völlig fremde Menschen fangen an mitzusingen.

Auf dem Rückweg nehmen wir einen Radfahrer mit Rad im Bulli, mit. Radfahren im Tunnel absolut verboten.

Karl-Ewald Kirschner und Gerhard Mauerer