Zur Liste

Der Mann mit dem T1 aus Bolivien

Michael Knappstein aus Soest hat sich kürzlich einen T1, Baujahr 1963, gekauft - in Bolivien. Das ehemalige Krankenhaus-Fahrzeug war zuletzt im Besitz des Schwiegervaters eines bolivianischen Studienkollegen von Michael. Hier erzählt er, wie er zu seinem T1 kam.

 ©Michael Knappstein

Hallo Bulli-Freunde!

Ich möchte Euch die Geschichte erzählen, wie ich zu meinem VW T1 gekommen bin. Im September 2009 begann ich ein internationales Masterstudium. International, weil dort etwa die Hälfte der Studenten aus dem Ausland kommen. Wir waren ein bunt gemischter Haufen von Kommilitonen aus Indien, Chile, Bolivien, Neuseeland, Brasilien, Nepal usw.

Ich selbst komme aus Deutschland und freundete mich mit einigen der ausländischen Mitstudenten an. Eines meiner Hobbys ist das Restaurieren und Reparieren von Young- und Oldtimern, und so hab ich in meinem Wohnzimmer auch einige Oldtimermodelle im Regal stehen.

Beim Lernen bei mir zuhause sagte mir mein Freund aus Bolivien, dass sein Schwiegervater "so einen Kombi" hat und zeigte dabei auf ein Modell eines T1-Busses.

Es dauerte einen Moment bis ich verstanden hatte, dass in Bolivien ein T1-Bulli "Kombi" genannt wird. Ich war gleich interessiert und bat ihn, mir einige Fotos zukommen zu lassen. Einige Tage später hatte ich auch schon eine nette Ansammlung von Fotos. Der ehemalige T1 Krankenwagen ist Baujahr 1963, und der Schwiegervater meines Freundes hat ihn damals einem Krankenhaus abgekauft. Er wurde zu der Zeit noch immer (ohne Krankenwagenausstattung, dafür mit 3 Sitzbänken) genutzt.

 ©Michael Knappstein

Der T1 war natürlich schon in die Jahre gekommen und das sah man ihm auch an, aber der Rostfraß, den man hier kennt, den gab es dort nicht. „Das liegt an dem Wetter“, sagte meine Freund. „Es gibt zwar die Regenzeit, aber ansonsten ist es sehr trocken und auch im Winter meist über 20°C warm.“ Das erklärte auch, warum es zwar etwas Rost an den Schwellern und an einer Unterkante einer Klapptür gab, aber er ansonsten rostfrei war. Zu schade, dass er nicht zu verkaufen war.

Im Sommer des Jahres 2010 kam der besagte Schwiegervater zu Besuch nach Deutschland und verbrachte einige Tage mit meinem bolivianischen Freund in meiner Werkstatt. Wir haben für meinen Freund ein günstiges Auto hergerichtet. So hatte der Schwiegervater die Gelegenheit, meine Werkstatt und meine Oldtimer zu sehen und ich konnte mit ihm über den „Kombi“ sprechen.

Wir sind so verblieben, dass er mir Bescheid gibt, sofern der T1 verkauft werden sollte.

Im August 2012 ging dann mein Flieger Richtung Bolivien, um die Heimat meines Freundes kennenzulernen. Schon am zweiten Tag hatte ich Gelegenheit, mir den ehemaligen Krankenwagen aus der Nähe anzusehen. Der Schwiegervater teilte mir mit, dass der Wagen nun schon einige Zeit dort stehe und er extra eine neue Batterie besorgt hätte.

 ©Michael Knappstein

Ich drehte den Schlüssel, und er sprang direkt an, und ich konnte eine kleine Spritztour machen. Einfach ein tolles Gefühl, hinter dem Steuer eines fast 50 Jahre alten Auto zu sitzen und zu wissen, dass es, abgesehen von anfallenden Reparaturen, nicht restauriert wurde und dennoch einsatzfähig ist.

Abends saßen wir alle gemütlich zusammen und ich scherzte, dass er mir den Wagen dann nun doch endlich verkaufen könne. Er stimmte zu, da er den großen Kombi nicht mehr benötige und lieber ein kleineres Auto kaufen wolle. Über den Preis wurden wir uns auch schnell einig und so kam ich zu meinem T1 Bulli.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings noch. Er steht noch in Bolivien und die Gespräche mit Unternehmen zwecks der Überführung sind noch im Gange. Liebe Bulli-Kollegen, vielleicht kennt ja jemand von Euch einen guten und günstigen Importeur? Wer mir dabei helfen kann, kann mich über die E-Mail we-can-do-it@freenet.de erreichen, ich bin über jeden hilfreichen Tipp dankbar! Ich hoffe, den Bulli spätestens im Frühjahr 2013 hier in Deutschland zu haben. Das Klima im Winter ist dort ja auch besser, nicht nur weil dort dann Sommer ist...

Michael Knappstein