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Der T2b Camper

Rudolf Gutfleisch war kein Bulli-Fan, bis er sich vor fünf Jahren auf die Suche nach einem geeigneten Wohnmobil machte. Der Berufsfeuerwehrmann und gelernte Autoschlosser kaufte sich einen heruntergekommenen T2b Camper und restaurierte diesen nach seinen Bedürfnissen.

 ©Rudolf Gutfleisch

Im Frühjahr 2003 entschied ich mich für die Anschaffung eines Wohnmobils. Früher bin ich hauptsächlich mit meinem Motorrad in den Urlaub gefahren - mit Zelt und Schlafsack im Gepäck, was mir mit Mitte 40 keinen Spaß mehr machte. Zu groß durfte das Wohnmobil nicht sein (es sollte ja auch nur Platz für mich bieten) und zu teuer natürlich auch nicht.

Ich sah mich bei eBay um. Von amerikanischen Vans bis hin zu japanischen Bussen - es war zunächst nichts dabei, was mir zusagte. Eines Tages wurde dann ein T2b Camper mit Kühlschrank, Heizung, Herd, Hochdach und Bett angeboten, der mich interessierte.

 ©Rudolf Gutfleisch

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten mich Bullis nicht sonderlich begeistert. Als Berufsfeuerwehrmann bei einer Werkfeuerwehr waren meine VW-Bus-Erfahrungen ausschließlich beruflicher Natur.

Dieser T2b ging mir jedoch nicht aus dem Sinn und so ersteigerte ich das Fahrzeug mit 550 Euro. Bei der Abholung bot der Bus einen traurigen Anblick. Zudem war der Bulli bereits seit vier Jahren abgemeldet. Da ich den Bus aber nun einmal ersteigert hatte, war an einen Rücktritt nicht zu denken. Mir war klar, dass an diesem Bulli (Bj. 1976) vieles repariert werden musste, aber als gelernter Autoschlosser hatte ich damit kein Problem.

Zu Hause angekommen, machte ich zunächst eine Bestandsaufnahme:

•    Schiebetür im unteren Teil und Radlauf am vorderen, rechten Einstieg waren durchgerostet.
•    Am Trittbrett rechts war ein Riss von ca. 15 cm Länge genau im Falz.
•    Am Vorbau war direkt unter der Frontscheibe links das Blech durchgerostet.
•    Die Fahrertür war auch im unteren Bereich durchgerostet.
•    Im Lack waren hier und da einige Rostbeulen.
•    Hintere Stoßstangenhalter waren nicht mehr fest, der Rahmen darunter durchgerostet.
•    Die Batteriebleche rechts und links waren ebenfalls durchgerostet.
•    Die Fensterdichtungen waren und sind noch porös.

Als ich das Fahrzeug von unten betrachtete, erlebte ich eine Überraschung:

•    Unterboden sowie Rahmen waren bis auf oben Erwähntes noch in Ordnung.
•    Die Vorderachse war noch fast neu (1996 eingebaut).
•    Der Motor ölte nur leicht.
•    Das Getriebe war trocken (von außen).
•    Die Reifen waren trotz der langen Standzeit nicht porös.

 ©Rudolf Gutfleisch

Ich begann damit, den Bulli zu restaurieren. Zuerst baute ich den Anlasser aus und machte mich auf die Suche nach einem Ersatz. Weil mir die angebotenen gebrauchten Teile zu teuer waren, zerlegte ich den Anlasser und prüfte, ob er nicht doch noch zu reparieren war. Wicklung und Magnetschalter hatten zum Glück keinen Kurzschluss gehabt. Daraufhin reinigte ich den Anker, tauschte die Kohlen aus und der Anlasser schnurrte wieder wie neu.

Im Anschluss machte ich mich daran, die Stoßstangenhalter wieder zu befestigen. Leider war der Rahmen darunter so durchgerostet, dass die sich darauf befindlichen Muttern nicht mehr nutzen ließen. So musste ich mir ein passendes Blech anfertigen und neue Muttern aufschweißen.

Nachdem alle Schweißarbeiten erledigt waren, konnte ich mich um die Karosserie kümmern. Ich schliff den alten Lack ab und beseitigte die Roststellen. Die Roststellen an den Türen, am Einstieg und an der Frontscheibe besserte ich mit Glasfasermatten aus.

 ©Rudolf Gutfleisch

Als ich den Reserverad-Halter entfernt hatte, stellte ich fest, dass der Bulli einen Frontschaden hatte: Hinter dem Reserverad-Halter befand sich eine Schicht Spachtelmasse, in der sich Risse bildeten. Nachdem ich die alte Spachtelmasse entfernt und erneuert hatte, ging es sogleich ans Lackieren.

Ein Lackieren mit Sprühpistole war nicht möglich und Sprühdosenlack kam nicht in Frage. Also blieb mir nur eine Möglichkeit: Ich habe den Bus mit der Rolle lackiert. Das Ergebnis sieht zwar nicht sehr professionell aus, ist aber meines Erachtens dennoch recht gut gelungen. Zuvor war der Bulli in einem undefinierbaren Rot mit weißem Oberbau lackiert worden.

Mithilfe von einigen Farbdosen Enzianblau und Weiß erhielt der Bus dann einen neuen Anstrich. Auch das Hochdach von Reimo war nach vier Jahren Standzeit unansehnlich geworden, so dass ich es polieren und frisch versiegeln musste.

Weiter ging es im Innenraum. Zuerst entsorgte ich die muffigen Matratzen des Bettes im Hochdach. Die alten Vorhänge wurden dreimal gewaschen und wieder aufgehängt. Zu ihrer quietschgelben Farbe fehlt mir jetzt nur noch das obligatorische Blumenväschen. Als nächstes ersetzte ich den PVC-Fußbodenbelag.

Danach war beim TÜV erst einmal eine Vollabnahme fällig. Dort erntete ich zuerst erstaunte Blicke. Wie konnte ich es auch wagen, mit dieser alten Schüssel aufzukreuzen. Doch meine Befürchtungen waren unnötig. Der Bulli war tadellos in Ordnung, nur die Scheibenwaschanlage funktionierte nicht. Ich hatte vergessen, Wasser einzufüllen…

Rudolf Gutfleisch