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Der TÜV-Blues

Christof Altmann ist Kabarettist und Musiker. Seine Bühnengeschichten kommen aus dem prallen schwäbischen Leben und sind auch (fast) alle selbst erlebt. Bei VW-Bulli.de schreibt der Stuttgarter über seine Bulli-Erinnerungen aus den 70er Jahren und seine Erfahrungen mit dem TÜV. Letztere hat er auch in einem Song verarbeitet, den er hier vorstellt.

Christof Altmann. Foto: www.maultasch.com

Wer weiß, dass ich Kabarettist bin, der wird sich nicht wundern, dass der folgende Bericht mit einem Augenzwinkern zu lesen ist. Auch wenn alles, was da erzählt wird, wirklich der vollen Wahrheit entspricht!

In den 70er und 80er Jahren hatte ich ein "VW Bussle". Es war ein grün-weiß lackierter T1 mit der geteilten Frontscheibe. Auch wenn die Scheibenwischer mit dem Regen nicht viel am Hut hatten - sie haben sich stets tapfer bemüht. Mein Bruder erstand das edle Stück und baute es mit furnierten Pressspanplatten aus. Ganz leichtes Material! Als der Ausbau fertig war, war das zulässige Gesamtgewicht kaum überschritten. Und wenn das Hubdach hochgestellt war, konnte man doch tatsächlich fast aufrecht im Bulli stehen.

Mit dem Bulli in Norwegen. Foto: Christof Altmann

Links und rechts gab es eine Bank für jeweils zwei bis drei Personen. Die Sitzflächen waren innen hohl und beherbergten den Vorrat für eine sechswöchige Norwegen-Tour: Bier, Wein, Schnaps, Bier, Wein, Schnaps, Bier, Wein, Schnaps und hinten auf jeder Seite zwei Dosen Ravioli.

In der Mitte befand sich der versenkbare Tisch. Wenn er versenkt wurde, entstand eine komfortable Liegefläche für mindestens drei Personen von ungefähr 1,57 m auf 1,32 m. Meine Freunde und ich waren damals in Norwegen wie verschweißt mit dem Bus. Tagsüber spielten wir 16 Stunden um den Tisch herum Skat, während es draußen den bekannten norwegischen Dauerregen gab. 

Foto: Christof Altmann

Nachts erholten wir uns auf der "komfortablen" Liegefläche. Einer von uns bekam den Auftrag, das Kommando zu geben, sobald wir uns wieder umdrehen durften. Als ich danach in meine Studentenbude nach Tübingen zurückkam, wusste ich zuerst gar nicht mehr, was ich mit so viel Platz überhaupt noch anfangen sollte.

Und dann war irgendwann der TÜV fällig. Früher ging man ja noch selbst hin, um einen Termin zu vereinbaren. Nachdem die Plakette abgelaufen war, hatte man sechs Wochen Gnadenfrist. Nach Ablauf dieser sechs Wochen wurde das Fahrzeug auch unbesehen aus dem Verkehr gezogen. In diesen sechs Wochen hatte ich eigentlich keine Chance, den Anforderungen des TÜV gerecht zu werden, aber ich nutzte sie dennoch.

Ich rief Freunde an, die im Besitz von Schraubenziehern, Schraubenschlüsseln und Schweißgeräten waren und wir machten uns zusammen an die Arbeit. Dann kam der große Tag: Als ich viele Stunden später vom TÜV zurück war, setzte ich mich sofort an mein Klavier und habe den "TÜV-Blues" komponiert.

Foto: Christof Altmann

Dieser Blues ist in einer schwierigen Sprache geschrieben: in "Schwinglish" - einer Mischung aus Schwäbisch und Englisch. Auf meinem Gymnasium in Leonberg (Württemberg) war ich in der glücklichen Lage, diese seltene Sprache erlernen zu dürfen. Unsere Lehrerin war ein "Fräulein". Aus meiner kindlichen Sicht ein bereits etwas ältliches Fräulein, etwa 35 Jahre alt.

Diese Fräulein brachte uns perfektes "Schwinglish" bei. Zum Beispiel rief sie die Klasse immer wieder folgendermaßen zur Ordnung: "Jetzetle, be sailent en se bäckground do henta. Otherwise I come hentersche."

Oder sie erzählte von ihren Reisen: "Gell, listen boys and girls. When I was in Greece I went se schtäffele to se Akropolis nuff." Wer jetzt etwas verstanden hat, der wird auch meinen "TÜV-Blues" verstehen können. Viel Spaß damit!

Christof Altmann

Außerdem ist der Song auf der CD und der DVD "Ich möcht so gern a Maultasch sei ..." (Kabarett, Blues, Road-Songs und Chansons auf Schwäbisch) von Christof Altmann erschienen. Wer diese bestellen oder mehr über die Live-Auftritte von Christoph Altmann erfahren möchte, kann sich auf seinen Internetseiten www.maultasch.com und www.christof-altmann.de informieren.

 

Das Fahrzeug:

Modell: T1
weiteste Fahrt: Norwegen
Motorart: Benziner
Motorleistung: 34 PS
Sitze: 3
Betten: 3
selbst ausgebaut: ja

Der Fahrer:

Name: Altmann
Vorname: Christof
Geburtstag: 1953
Wohnort: Stuttgart
Familienstand: verheiratet
Kinder: ja
Kinderanzahl: 3
Kinderalter: 8, 11, 23
Beruf: Kabarettist
T1-Fahrer während: 1978-1988
Anzahl Bullis: T1 und T2
liebste Urlaubsziele: damals überall, Hauptsache weg!

Christof Altmann