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Hagelschlag in Biskra

Nicht immer endet eine Fahrzeugerprobung, wie man es sich wünscht. Community-Mitglied fimue geriet 1979 in der algerischen Sahara anlässlich einer T2/T3-Testfahrt in einen lebensgefährlichen Hagelsturm, nachdem er bereits im Vorjahr abenteuerliche Bekanntschaft mit den widrigen Witterungsbedingungen gemacht hatte.

 ©fimue

Im August 1979 waren wir erneut bei einer T2/T3-Erprobung in der algerischen Sahara, um die Erkenntnisse des Vorjahres zu überprüfen. Auf der Staubpiste in der Nähe der Stadt Biskra - im Hintergrund das Atlasgebirge - waren uns die Tagestemperaturen von mehr als 40 Grad zu hoch. Uns war so heiß, dass wir uns dazu entschieden, unsere Versuche nachts durchzuführen. Dieser Entschluss stellte uns vor einige Schwierigkeiten: Bei der nächtliche Fahrt auf der Wüstenpiste verloren sich die Scheinwerfer unserer Fahrzeuge völlig in der Weite.

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Zudem hatten wir im Camp (siehe Foto) unser Schutzzelt aufgebaut und oben mit einer Lampe versehen, die aber im Dunkeln aus mehr als 15 Kilometer Entfernung nicht zu sehen war. Zwar war der Fahrkurs ausgesteckt, aber nachts sind alle Katzen grau. Nichts ging mehr. Zu allem Überfluss übermannte einige Fahrer die Müdigkeit und sie schliefen einfach ein. Die Zentrale unseres Camps musste also ständig ihre verloren gegangenen Leute suchen. Nach der ersten Nacht fing ich zwei Skorpione. Einen davon habe ich zu Hause "eingelegt" (siehe Foto).

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An einem Samstag morgen kamen wir hundemüde von der Nachtfahrt zurück. Am Spätnachmittag braute sich ein Unwetter zusammen. Erst gab es überall Staub, dann nahm die Bewölkung stark zu und der Himmel färbte sich seltsam gelb. Stunden später "explodierte" der Himmel und ein Hagelsturm (riesige Hagelkörner siehe Foto) überraschte die Oase. Die Einheimischen und wir Autofahrer retteten uns in die Häuser. Das ausgetrocknete Flussbett füllte sich rasch und schwoll dann mit rasender Geschwindigkeit an. Schließlich tobte das Wasser vorbei und riss alles mit, was sich in seiner Reichweite befand.

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Nach dem Hagelsturm waren sämtliche Fenster unseres Hotels zerschlagen und die meisten Fahrzeuge stark beschädigt (siehe Foto). Viele Einheimische weinten um ihre Angehörigen und Freunde: An diesem Abend waren in der Oase 15 Menschen ums Leben gekommen. Wir verbrachten zwei Tage damit, unsere Windschutzscheiben provisorisch zu flicken, bis wir endlich unsere Rückfahrt antreten konnten. Diese T2/T3-Erprobung werden wir alle niemals vergessen.

Weitere Fotos von dieser T2/T3-Erprobung finden Sie in unserer Bildergalerie.

Lesen Sie hier fimues abenteuerlichen Erlebnisbericht aus dem Vorjahr (1978) von einer T2-Erprobung in der algerischen Sahara.

fimue