Zur Liste

33 Jahre selbstausgebaute VW Busse - Frank und seine Bullis

Frank Jochum aus dem Saarland hat von T1 bis T6 fast alle Bullis gefahren und diese meist auch selbst ausgebaut für Campingurlaube. Hier erzählt Frank von seinen zahlreichen Ausbauten und Erlebnissen mit seinen Bullis.

Frank mit Hund auf Reisen.

 ©Frank Jochum

Hallo Bullifreunde!

Vielleicht beginne ich die Sache mal so, ich bin 53 Jahre alt und fahre seit meinem 20. Lebensjahr privat VW Bus, wohne im schönen Saarland und bin totaler VW-Bus Fan. Angefangen hat alles damit, dass ich bei VW gelernt habe und auch jahrelang dort mein Brot als Nutzfahrzeugverkäufer und später als Pkw-Verkäufer verdient habe. Somit ist mir die Marke VW in Fleisch und Blut übergegangen, das ist auch heute noch so.

Mein erster VW Bus war ein alter roter T1 Feuerwehrbus, ein Kastenwagen, den hatte ich von unserer örtlichen Feuerwehr übernommen und nur so zum Spaß hergerichtet und gefahren. Alsbald wurde in dem Kastenwagen auf der Luftmatratze geschlafen, ein kleiner Gasbrenner und ein Wasserkessel kamen hinzu und so ging es langsam los, da war ich 20 Jahre alt.

Nach einiger Erfahrung konnte ich über meinen Arbeitgeber eine Leasingrücknahme eines grünen VW T3 mit weißem Hochdach und hoher Schiebetür käuflich erwerben, das war dann der Anfang vom Selbstausbauen und es ging richtig los, dass ich mich für Campingbullis und Ausbauten interessierte.

Von seinen frühen Bullis hat Frank leider keine Fotos.

 ©Frank Jochum

Wie das so ist, immer wenig Geld in der Tasche, aber auch immer gute Ideen im Kopf, so baute ich den ehemaligen Bäckereiverkaufswagen einfach, aber zweckmäßig aus, indem ich eine Klapp-Schlaf-Sitzbank (gab´s damals noch als Selbstbausystem von Reimo) einbaute, ein kleines Schränkchen in Fertigbauweise mit Spüle, 10-Liter-Frischwasserkanister und 10-Liter-Abwasserkanister. Diesel-Standheizung vom Bosch-Dienst rein und fertig war mein erster richtiger Campingbus.

So hab ich die ersten Touren nach Österreich, Ungarn und natürlich in Deutschland gemacht. Damals konnte man noch problemlos überall stehen, und wenn ich überall schreibe, meine ich das auch so. Wie viele Male haben wir am See gestanden, gefeiert, geschlafen und morgens beim Sonnenaufgang vorm Bus gefrühstückt - herrlich diese Freiheit! Das war Bus Nummer zwei.

 ©Frank Jochum

Als ich dann über Jahre Dienstwagen von VW fuhr, legte ich mir privat einen neuen reflexsilber-metallic-farbenen T4 Multivan Diesel mit 88-PS-Motor zu, normale Ausstattung, um einfach am Wochenende oder im Urlaub unabhängig zu sein und Bulli-Touren zu genießen. Er war mir viele Jahre ein treuer Begleiter und hat dann irgendwann einen Besitzerwechsel gemacht. Das war Bus Nummer drei.

Weiter ging es dann mit einem ebenfalls reflexsilbernen VW T5 Kastenwagen ohne Scheiben (nur in der Heckklappe), den ich neu erstanden habe und auch wieder selbst ausgebaut habe, das war 2009, der letzte ohne DPF, 1,9ltr. Dieselmotor mit 105PS, der gute TDI-Motor.

Diesen habe ich ganz von seinen Verkleidungen entfernt und mit Armaflex-Isolierung komplett isoliert, Wände, Decke, ja sogar Schiebetür und Heckklappe, danach habe ich alle Hartfaserverkleidungen mit Kunstleder bezogen, alles wieder eingebaut und los ging es mit dem einfachen und leichten Innenausbau, zuerst habe ich eine Trump Gasstandheizung eingebaut, Gasflaschenkasten ins Heck gebaut, danach wieder ein einfaches Klappbett und einen Schrank zur Aufnahme der Spüle, Frisch- und Abwasserkanister sowie Pumpe und 1-Flammen-Gasherd. Alles vom TÜV abnehmen lassen und so hatte ich ein von außen unscheinbares aber dennoch effektives Gefährt, mit dem ich überwiegend Wochenendtouren in Deutschland unternommen habe.

Das war Bus Nummer vier.

 ©Frank Jochum

Wie es meistens so geht, kam eine berufliche Veränderung, neue Ideen und neue Wünsche, so dass ich mir nach Verkauf des Kastenwagens nun mal einen richtigen, werksausgebauten, neuen California Comfortline bestellte, das war 2013.

Mit ihm fingen die weiteren Reisen an, Deutschland, Ostsee, Nordsee, Frankreich, Bretagne, Normandie etc.

Nach den vielen selbst ausgebauten VW Bussen war der California natürlich ein Traum auf Rädern, wobei durch den intensiven Gebrauch und die oft längeren Touren von bis zu vier Wochen sich auch viele Dinge herausstellten, die auf Fernreisen doch nicht so gut liefen wie ich es mir von so einem Fahrzeug wünschte. Ich habe den Bus dann 2018 mit etwas über 100.000 Kilometern verkauft, verbaut war ein 2,0ltr Common-Rail Diesel mit 132kw, 180PS…

Das war Bus Nummer fünf.

Der aktuelle Bus.

 ©Frank Jochum

Angetrieben von dem Erlebten der vergangenen Fahrzeuge vom T1 bis zum T5, ja vor allem aber von der Idee, einen VW Bulli selbst wieder mal auszubauen, der genau das alles erfüllt, was ich mir in den Vorgängerfahrzeugen nach den Erlebnissen mit und in den Bussen wünschte, kam ich auf die Idee, mir mein eigenes Fernreisemobil zu verwirklichen.

Ich hatte das große Glück, recht günstig einen VW T6 4motion mit 150-PS-Diesel und 6-Gang-Schaltgetriebe zu erstehen, Kombi mit Privacy-Verglasung hinten, Diesel-Standheizung vom Werk verbaut, Fahrerhaus-Komfortpaket, Sitzheizung, große Klima, Geschwindigkeist-Regelanlage und weitere nette Ausstattung, neun Monate alt, Baujahr 01.2017 und knapp über 30.000 Kilometer gelaufen, mit Heckschaden vom Landesamt für Digitales und Vermessung, komplett mit Seikel-Fahrwerk, 12 Zentimeter Höherlegung und 16 Zoll BF Goodrich Geländebereifung… wenn das keine Ausgangsbasis für ein Fernreisemobil ist.

 ©Frank Jochum

Nach Beseitigung des Unfallschadens konnte der Ausbau losgehen, auch hier mal wieder alle Verkleidungen raus, vollständige Isolierung aller erreichbaren Flächen mittels selbstklebender Armaflex-Isolierung, Einbau einer Dachluke, Aufbau von drei 100W Solarpaneels, 80ltr. Frischwassertank, Tankheizung, Solarsteuerung, LED-Beleuchtung, Spezial-Klappbett, Kompressor-Kühlbox, Spannungswandler auf 230V, Notsitz mit Gurt, Schrank mit Spüle,Schubladen und Türen zur Vorratshalterung und Aufnahme des 1-Flammen-Kochers, Schiebegardinen, verschiedene kleine Helferlein die das Leben im Bus auf der Reise einfacher machen und dann natürlich der Einbau aller angepassten Verkleidungen die auch diesmal mit Kunstleder bezogen habe, da es sich als sehr pflegeleicht erwiesen hatte im Bus Nummer vier.

 ©Frank Jochum

So hat sich über die Jahre ein Erfahrungsschatz angesammelt, der hier nun in diesem Bulli in geballter Kraft umgesetzt wurde. Bis jetzt bin ich 45.000 Kilometer gefahren, war im Sommer 2020 fünf Wochen an der Atlantikküste Frankreichs unterwegs, konnte so Land und Leute kennenlernen, wie man es einfach nur kann, wenn man direkt dorthin fährt, wo nicht die großen Touristenströme unterwegs sind.

Seit Jahren beobachte ich. dass sehr viele Reisemobilisten mit ihren „weißen Riesen“ ganz nah dorthin wolle.n wo eigentlich nur Pkw oder Fahrzeuge in VW-Bus-Größe hinkommen.

Das hat die Akzeptanz von Reisemobilen und auch leider von Campingbussen negativ beeinflusst und manche Bereiche sind deshalb kaum noch zu befahren weil sie entweder gesperrt wurden oder mit einer Höhenbeschränkung ausgestattet wurden.

 ©Frank Jochum

Ich bin und bleibe überzeugter Camping-Bulli-Fahrer und wähle meine Reiseroute so, dass ich Land und Leute erfahren und kennenlernen kann.

Das ist mir mit diesem Ausbau sehr gut gelungen, autark sein ist unabhängig sein, das ist die kleine Freiheit, die unter diesen Umständen noch gelebt werden kann.

Wer weiß wie lange noch, deshalb freue ich mich schon auf die Zeit nach Corona, und dann heißt es wieder los geht’s auf Reise mit dem geliebten Bulli der Sonne entgegen auf neue Erfahrungen und Eindrücke…

 ©Frank Jochum

Bis dahin, bleibt gesund und glaubt mir, diese Leidenschaft für und mit meinem Bulli nimmt mir keiner, auch nicht das Virus namens Corona...

Und nun noch zum Foto, das ich VW-Bulli.de für das Brotzeitbrett-Gewinnspiel geschickt hatte:
 
Ich erinnere mich mit großer Freude an unseren Bretagne-Urlaub mit großer Küstentour, auf dem Foto am Abend des 15. Juli 2019 beim Duschen im selbstgebauten Duschzelt unter der Heckklappe direkt auf dem Stellplatz an der bekannten Brücke, bevor es am nächsten Tag auf die Île de Ré weiter ging.

An alle Bulli-Freunde, haltet durch und werkelt fleißig an euren Bullis, die nächste Tour kommt auf jeden Fall...

Gruß aus dem Saarland, Frank

von Gerhard Mauerer