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Treuer T2 mit Spielecke

Hans-Broder Boyens aus Warburg baute erst ein Haus, dann kaufte er sich in den 70ern einen T2 mit Westfalia-Campingausstattung. Er erzählt von unvergesslichen Urlaubsfahrten mit seiner Familie.

 ©Hans-Broder Boyens

Unser Einfamilienhaus war fast fertig gebaut – also konnten wir nach sieben arbeitsreichen Jahren nun auch mal über einen Urlaub nachdenken. Die Urlaubsart mit der größtmöglichen Freiheit war zu dieser Zeit das Camping mit Wohnwagen oder Wohnmobil.

Meine Frau fuhr damals mit einem Moped in die Stadt zum Einkaufen, was bei unserem Kopfsteinpflaster nicht ganz ungefährlich war. Daraus entstand bei mir die Idee: Wir kaufen uns ein kleines Wohnmobil, das dann statt Moped als Zweitwagen zur Verfügung steht.

Da musste ich aber erst einmal viel Überzeugungsarbeit leisten. Wir wurden uns einig, und einige Monate später waren wir stolze Besitzer eines VW-Campingbus Typ 2, mit Westfalia-Campingausstattung. Jetzt konnte die große Freiheit beginnen. Wir hatten alles an Bord: Doppelbett, Hochbett, Herd, Spüle, Kühlschrank und Heizung.

 ©Hans-Broder Boyens

Für unsere Tochter hatte ich hinter den Rücksitzen eine verkehrssichere Spielecke eingerichtet, damit es für sie auf langen Strecken nicht langweilig wurde. Zum Glück blieben wir immer von Unfällen verschont.

Unsere erste Testfahrt ging für einige Tage an den Bodensee auf den Campingplatz Lindau. Meine beiden Damen hatten sich schnell an das Zigeunerleben gewöhnt, und wir genossen unser schönes Leben. Zehn Jahre sollte der Bulli unser treuer Begleiter bleiben. Wir haben die Anschaffung nie bereut.

 ©Hans-Broder Boyens

Unsere nächste Reise stand kurz bevor. Unser Luftsportverein plante einen Sommerlehrgang in der Provence in Südfrankreich. Mit einem großen Teil des Vereins, mit deren Angehörigen und einigen Segelflugzeugen machten wir uns auf den Weg auf die 1.200 Kilometer lange Reise.

Wir fuhren – zunächst von Warburg nach Grenoble – von dort über die Route Napoleon über mehrere Pässe nach Nizza – dann an der Cote Azur entlang über St. Tropez und Aix en Provence zum Flugplatz von Vinon, der für die nächsten drei Wochen unser Urlaubsziel war.

Es wurde eine unvergesslich schöne Fahrt mit atemraubenden Aussichten auf Gletscher, Berge und Seen. Und wenn wir müde wurden – wir hatten ja unser Bett dabei. So erreichten wir nach drei Tagen unser Ziel und der Fliegerurlaub konnte beginnen.

 ©Hans-Broder Boyens

Die Technik von damals konnte man natürlich nicht mit dem Entwicklungsstand von heute vergleichen. Die Viergang-Schaltung hakte mal etwas, der Benzin-Verbrauch war mit fast zwölf Litern sehr hoch, und die notwendigen Wartungsarbeiten rissen ein Loch in die Urlaubskasse.

Aber das erhabene Gefühl, mit dem Bulli ein Kultfahrzeug zu fahren, wurde dadurch nicht getrübt. Wenn man einem gleichen Wagen begegnete, gehörte fröhliches Grüßen jahrelang zur gern geübten Pflicht. So machten wir im Laufe der Jahre noch viele Reisen, in die Schweiz, an die Mosel und in die nähere Umgebung.

Einfach Losfahren, und auf kleinstem Raum alles dabei zu haben, was man zum Leben gebraucht – das macht wohl das Geheimnis aus, das auch heute noch die Camperherzen höher schlagen lässt. Nach vielen Jahren siegte dann doch die größere Bequemlichkeit und wir wechselten zum kleinen Wohnwagen. Aber unser Herz schlägt immer noch für den Bulli – hätten wir uns sonst wohl als PKW einen VW-Caddy angeschafft, in dem man auch schlafen kann?"

 

Mit freundlicher Genehmigung der "Neuen Westfälischen", Bielefeld

Hans-Broder Boyens