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Wappen oder Zahl - Bullifan im Glück

Florian Duhse ist Surfer und Bullifahrer. Kürzlich war er Kandidat bei der Quizshow "Wer wird Millionär". Welchen Bulli er fährt, was er bei "Wer wird Millionär" gewonnen hat und was sein Hintergrund und seine Pläne sind, lesen Sie hier.

Manchmal braucht man einfach etwas Glück. Dies hat kürzlich auch der Freiburger Bulli-Fan Florian Duhse (32) erlebt.  In der RTL-Quizshow „Wer wird Millionär“ fragte er vor seiner Antwort in der achten Runde („Soll im Juli Slowenien, Kroatien oder Albanien 28. EU-Mitglied werden?“) den verdutzen Moderator Günther Jauch: „ „Haben Sie mal ne Münze?“. Wie es dazu kam und was er mit den gewonnenen 16.000 Euro machen will,  hat er uns am Telefon geschildert – er war mal wieder an einem seiner Lieblingsplätze im warmen, sonnigen Portugal. 

Von Wegen sonnig: „Die Menschen hier sagen es sei der schlechteste Frühling seit vielen Jahren und für uns Wellenreiter ist der auflandige Wind auch nicht besonders günstig“.

Die „Entscheidung nach Münzwurf“ wäre beinahe schief gegangen. Spontan und aus dem Bauch heraus entschied er sich für die andere Seite des Geldstück und war eine Runde weiter. 

Dass Florian an Frage zehn, der sogenannten Freischussfrage, scheiterte, passt nicht ganz zu seinem Verhältnis zu Autos, denn Jauch hatte gefragt: "Woran beanstandete der TÜV bei den 2012 durchgefallenen Autos die häufigsten Mängel? A: Beleuchtung, B: Lenkspiel, C: Auspuffanlage, D: Vorder- und Hinterachse?“

Bulli-Fan Duhse entschied er sich für die falsche Antwort C (richtig wäre jedoch A gewesen) und nahm immerhin noch 16.000 Euro mit nach Hause. Dabei kennt sich der blonde, durchtrainierte und extrem sportliche Badener sehr gut mit Autos aus, zumindest mit den älteren Jahrgängen. Er fährt einen  Bulli, einen ehemaligen Transporter der Baureihe T3, besser bekannt als Postbus, also den Kastenwagen von Typ 251, der als Sonderedition für die Deutsche Bundespost mit einem weißen Kunststoffhochdach hergestellt wurde. Er brauchte dringend Ersatz, denn sein alter LT hatte einen irreparablen Vorderachsschaden erlitten. 

Der Bulli war bei „mobile.de“ im Frühjahr 2006 um 1.700 Euro ausgeschrieben. Ein bastelfreudiger Vater hatte den Bus mit Möbelbausätzen als Hochzeitsreiseauto für seine Tochter umgemodelt und dem kanariengelben Bulli eine blaue Hecktür mit dem Slogan „Just married“ angeschraubt. Heute ist „Manni“, wie Florian sein rollendes Zuhause umgetauft hat, wieder mit der gelben Originalklappe unterwegs.  Als geschlossener Kastenwagen mit 4,1 Quadratmeter Ladefläche und als Hochraumtransporter mit 6,2 m3 Raumvolumen dient er ihm seither als mobiles Wohn-, Ess- und Schlafzimmer und wird meist in Strandnähe geparkt.

Die 1,57 Meter hohe Schiebetür gestattet auch dem groß gewachsenen Florian einen würdigen, ungebeugten Zugang. Lediglich die zweigeteilte Trennwand zur Fahrerkabine machte Probleme. Dort ist ein schwenkbarer Tisch befestigt, den er etwas umbaute, damit man ihn für die Parkstellung nicht erst aus der Halterung ziehen und am Ruheplatz wieder mühevoll einfädeln musste.

Auch das Getriebe ist noch in Ordnung. Nur einmal verlor „Manni“, wie der Bus in der Szene genannt wird, sehr viel Öl. „Da habe ich hier um die Ecke einen echten Schrauber gefunden, der hat mir einen neuen Dichtring eingesetzt und seither ist wieder alles dicht.“

Für seine Surf- und Wellenreiter-Ausrüstung fand Florian kein passendes Zubehör im Handel, er bastelte deshalb selbst das notwendige Tragegestell für seine „yellowfoot black forest wooden surfboards“, für die er auch auf der rechten Schiebetür mit Logo und Schriftzug wirbt.

Den aus Brandenburg an der Havel stammenden Florian Duhse zog es zum Studium nach Freiburg, wo er zeitweise in einem großen Sportgeschäft jobbte oder im Winter auf dem nahen Feldberg in der Snowboard-Fahrschule unterrichtete. Wegen seiner Hobbys gab er das Lehramtsstudium auf und fühlt sich seither glücklich, denn die Vermittlung von Wissen und Können bei Sonne oder Schnee gefällt ihm offenbar besser als trockener Schulstoff.

Glück war ihm auch bei seiner Bewerbung auf Jauchs heißen Stuhl beschieden. Beim ersten Mal hatte er es nicht über die Vorrunde hinaus geschafft, wurde aber ein zweites Mal eingeladen. RTL erreichte ihn auf einem Campingplatz in der Nähe von Arcachon und via Skype wurden die noch offenen Fragen geklärt und der Termin vereinbart. Aus der Runde der fünf Kandidaten gewann er mit dem hauchdünnen Vorsprung von 0,04 Sekunden und war damit im Rennen.

Seit er die 16.000 Euro in Empfang genommen hat, träumt er von einem eigenen Surfcamp in Portugal, einer Art Surf- und Wellenreiterschule, in der man auch übernachten kann. Einige Euro möchte und muss er allerdings auch in „Manni“ investieren und ihn für weitere Reise fit zu halten.

09.04.2013. Text: Ernst Bauer. Fotos: Duhse, RTL

von Ernst Bauer